Geschichte des Korporationswesens

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erste Bursen, Hilfe für wenig Begüterte oder Studenten ohne Vorbildung, klosterähnliche Organisation

Anf. 15. Jhd.
Nationes: Zusammenschluß von Studenten gleicher geographischer Herkunft

1546
erste nachgewiesene (!) Studentenduelle

ab 1615
organisierte Landsmannschaften

  • Aufnahme der Studenten nach örtlicher Herkunft
  • später auch gleicher Fachrichtung

ab 1685
Kaffeehäuser in Wien - beliebte Studententreffpunkte

10.12.1716
Gründung der Lausitzer Predigergesellschaft (heute L! Sorabia-Westfalen in Münster): wissenschaftliches Prinzip ähnlich den wissenschaftlich-studentischen Vereinen des 19. Jhdts.

ab 1755
In den Landsmannschaften bilden sich studentische Orden: Neben dem den Freimaurerlogen entlehnten Geheimbundsprinzip, das die Orden bald in den Landsmannschaften in Verruf brachte, wurden hier Elemente geprägt, die unsere Bünde heute noch mit ausmachen: persönliche Freundschaft und Fortdauer der Beziehungen nach dem Studium

1763
erstes offizielles Auftreten der Landsmannschaften in Jena

seit 1770
Blütezeit der Orden als straffe Kerne in den Landsmannschaften, aber auch die Landsmannschaften übergreifend. Kennzeichen der Orden waren:

  • Lebensbundprinzip
  • nicht religiös
  • nicht nur studentisch
  • ausgewählte Mitglieder
  • Geheimhaltung des Bundes auch gegenüber Mitgliedern der eigenen Landsmannschaft

1772
Opposition gegen Duell und Trunksucht

  • sog. Kränzchen (Diskussion in Kaffee- und Tee-Häusern etc.)

ab 1785
Zirkel (als Verbindungszeichen) bekannt. Vorher waren Zirkel geheime Erkennungszeichen der Orden.

ab 19. Jhd.
Da L! weiterhin verfolgt wurden, bildeten ("konstituierten" sich die Landsmannschaften zunehmend als Corps.

  • werden als Bund gestiftet
  • Einführung von Band und Mütze

1815
Urburschenschaft in Jena gegründet

1817
Wartburgfest

18.10.1818
Allgemeine Deutsche Burschenschaft
erstmals ist es möglich, mit Frauen stud. Feste zu besuchen, da Ausschweifungen eingeschränkt werden (Keuschheitsprinzip); hohe sittliche Auffassung; soziale Einstellung; demokratisches Prinzip

23.3.1819
der deutsche Dichter und Staatsrat August von Kotzebue wird von einem ehemaligen Burschenschafter (Karl Ludwig Sand) ermordet

daraus folgen an

20.9.1819
Karlbader Beschlüsse: Verbot der Burschenschaften

1822
erste Sängerschaften

1836
Gründung der Uttenruthia: erste konfessionelle (protestantische) Verbindung

1840
wieder Landsmannschaften: Teilweise im Gegensatz zu den Corps, deren Machtanspruch sie nicht akzeptierten als Vereine von Studierenden gleicher Herkunft gegründet: weniger Pflichten als Corps, unbedingte Satisfaktion, ohne politische Ambitionen

15.11.1844
erste katholische Verbindung in Bonn

1846
erste akademische Turnvereine

1848
politische Forderungen der Studenten/Burschenschaften
Aufhebung des Verbots der Burschenschaften
Beteiligung an der Revolution, speziell durch Burschenschaften und Burschenschafter. (1/3 aller Abgeordneten des Paulskirchenparlaments waren Burschenschafter)

1848
Kösener Senioren-Convents-Verband (KSCV) der Corps an den Universitäten

1856
Cartellverband der kath. Studentenverbindungen (CV)

1860
Einführung der Paukbrillen

1862
erstes Verbindungshaus in Marburg (C! Teutonia)

1863
Allgemeiner Senioren-Convent (Zusammenschluß der technischen Corps)

1875
Weinheimer SC (WSC) der Corps an den technischen Hochschulen

1868
Allgemeiner Landsmannschafter Convent durch die Landsmannschaften Ghibellinia Tübingen. Verdensia Göttingen, Makaria Würzburg, Teutonia Bonn und Teutonia Halle. Dieser, bis dahin erweiterte Verband nannte sich ab

1873
Coburger Landsmannschafter Convent.

1872
KSCV errichtet Denkmal für die im Kriege 1870/71 Gefallenen auf der Rudelsburg

1872 bzw. 1885
Vertreter Convent (VC) der Turnerschaften wurde 1872 als Verband der akademischen Turnvereine gegründet und spaltete sich 1885 in den farbentragenden und auf Bestimmung schlagenden VC und den nicht farbentragenden und nur unbedingte Satisfaktion gebenden ATB.

1880
Gründung der VdSt (Vereine Deutscher Studenten): nicht farbentragend, satisfaktion gebend, nationales, politisches und soziales Engagement, antisemitisch, teileweise Waidhofener Prinzip (Juden wurde die Satisfaktion verweigert).

1881
PP-Suite wird vom KSCV abgeschafft (später jedoch wieder eingeführt) 3 Burschenschaften gründen Allgemeinen Delegierten Convent (ADC) Entstehen des Kyffhäuser Verbandes der Vereine Deutscher Studenten (s.o.)

1882
erste jüdische Korporationen gründen sich als Reaktion auf den um sich greifenden Antisemitismus. Es bilden sich einerseits eher deutsch orientierte Verbindungen (farbentragend und schlagend: KC; Kartellconvent deutscher Studenten jüdischen Glaubens) andererseits zionistische Verbindungen (meist nicht farbentragend).

1892
erste Zulassung von Studentinnen an Universitäten

bis 1896
Ausscheiden aller Juden aus den Burschenschaften

1902
ADC wird zur Deutschen Burschenschaft (DB)

1906
Weimarer CC der farbentragenden Sängerschaften

1906
Erster Dachverbände akademischer Frauenvereine wird der Verband der Studentinnenvereine Deutschlands (gewerkschaftsähnlich, um Vorurteile abzubauen)

1908
Deutsche Landsmannschaft

1913
Eröffnung der Wachenburg als Ehrenmal durch WSC
CV teilt sich in CV und KV (Kartellverband der katholischen Studentenvereine, nicht farbentragend)
neue Strömung, zusammengefaßt als "Meißner Formel": alkoholfrei, naturverbunden, nikotinfrei, Pflege des Volkstanzes: häufig als Hochschulgilden bezeichnet

1914
viele Korporationshäuser werden Lazarette etc.; Studentinnenvereine helfen in Lazaretten, Heimen. ...

1918 - 1935
Blütezeit der Korporationen

1919
DB verbietet Ehe mit Juden und Farbigen

1920
Deutsche Gildenschaft

1923
Großdeutsche Gildenschaft: fakultativ farbentragend, nicht schlagend, national, auch weibliche Mitglieder

1921
Erlanger Verbändeabkommen: Erlanger Ehrenabkommen: 21 schlagende und 9 nichtschlagende Verbände einigen sich auf ein Verfahren zur Bereinigung von Ehrenstreitigkeiten. Dies führt zu einer Verbesserung der Beziehungen zwischen den Bünden dieser Verbände.

1926
Gründung des NSDStB (Nationalsozialistischer Deutscher Studentenbund) mit antikorporativer Einstellung

1927
Deutsche Freischar auf Basis der Meißner Formel

  • wollte keine althergebrachte Organisation
  • wollte "Bewegung" sein

1929
ca. 1900 Verbindungen

1931
NSDStB hat Mehrheit in der Deutschen Studentenschaft (DSt): die DSt ist zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht die offizielle Vertretung der deutschen Studenten

1932
Tagungen von DB und DL fallen aufgrund der finanziellen Lage aus

1933
DSt wird offizielle Vertretung der dt. Studenten
Verbot der jüdischen Verbindungen führt zum Ende der jüd. Verbindungen in Deutschland
Gleichschaltung zu Kameradschaften. Verbot der Mitgliedschaft in
HJ und Korporationen - Nachwuchssperre
Es werden NSDStB-eigene Kameradschaften als Gegenorganisation zu den Verbindungen gegründet

15. Mai 1936
Verbot der Mitgliedschaft in Verbindungen

1948 - 1952
werden die größeren Korporationsverbände reaktiviert

Frühjahr 1950
das Farbenverbot wird durch die Alliierte Oberkommission aufgehoben

1950
Convent Deutscher Akademikerverbände (CDA), loser Zusammenschluß der Altherrenverbände ohne die katholischen Verbände

1951
Convent Deutscher Korporationsverbände (CDK), Aktivitas des CDA DL und VC fusionieren zum CC (Coburger Convent)

1953
(Bestimmungs-)Mensur durch Bundesgerichtshof Karlsruhe erlaubt

1958
Deutsche Gildenschaft (DG) entsteht wieder

1961
Korporationen werden in Bundesjugendförderung einbezogen

1963/64
Virginitas Tübingen: weibliche Verbindung des KV, kein dauerhafter Bestand

1971
Nach Diskussion über die Mensur bilden treten 16 Bünde aus dem Coburger Convent aus. 13 Turnerschaften bilden den Marburger Konvent (MK), einen nichtpflichtschlagenden Verband

Literatur:

- Krause, Peter

Oh alte Burschenherrlichkeit, Die Studenten und ihr Brauchtum Edition Kaleidoskop, 1983, 4. Aufl., ISBN 3-222-11127-8

- Historia Academica Nr. 21/22 der Schriftenreihe der studentengeschichtlichen Vereinigung des CC

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admin – Di, 16/01/2007 – 14:17